Eine Google-Ads-Agentur zu engagieren ist eine wichtige Entscheidung. Du gibst Budget aus der Hand, gewährst Zugriff auf deine Werbekonten und vertraust darauf, dass jemand anderes deine Marke in der bezahlten Suche vertritt. Wer weiß, was ihn erwartet, entscheidet zwischen einer produktiven Partnerschaft und Monaten voller Frust.
Dieser Leitfaden zeigt dir den typischen Ablauf, die Lieferobjekte und die Meilensteine der ersten 90 Tage mit einer Google-Ads-Agentur, damit du beurteilen kannst, ob deine Agentur im Plan liegt oder hinterherhinkt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die ersten 30 Tage drehen sich um die Bestandsaufnahme, nicht um Ergebnisse: Erwarte ein Audit, eine Tracking-Prüfung und eine Strategie, bevor irgendeine Optimierung beginnt.
- Spürbare Verbesserungen zeigen sich meist in Woche 6 bis 12: Frühere "Ergebnisse" sind oft Rauschen oder schnell gepflückte tief hängende Früchte.
- Der Kommunikationsrhythmus zählt mehr als die Frequenz: wöchentliche Updates im Onboarding, alle zwei Wochen im stabilen Betrieb, mit klarem KPI-Reporting.
- Warnzeichen sind Agenturen, die sofortige Ergebnisse versprechen: oder die Audit-Phase komplett überspringen und direkt mehr Budget verbrennen wollen.
Vor der Beauftragung: Was gute Agenturen fragen
Der Auswahlprozess verrät dir viel. Starke Agenturen stellen detaillierte Fragen, bevor sie einen Leistungsumfang vorschlagen:
- Was sind deine Geschäftsziele (nicht nur deine Anzeigenziele)?
- Wie hoch sind dein aktuelles Monatsbudget und dein Ziel-CPA oder ROAS?
- Hast du ein Conversion-Tracking eingerichtet und ist es geprüft?
- Wie lang ist dein Verkaufszyklus?
- Hast du schon mit einer Agentur zusammengearbeitet? Was lief schief?
- Wie sieht das Erlebnis auf deinen Landingpages aus?
Agenturen, die diese Fragen überspringen und direkt mit “Wir können dein Konto verbessern” loslegen, verstehen die Grundlagen der Kontobetreuung nicht.
Phase 1: Tag 1 bis 30 – Bestandsaufnahme und Audit
Woche 1: Onboarding
Die erste Woche ist administrativ, aber wichtig:
- Kontozugriff: Die Agentur erhält Lesezugriff (oder Verwaltungszugriff) auf deine Konten in Google Ads, Google Analytics und im Tag-Management.
- Business-Briefing: ein ausführliches Gespräch über deine Produkte, Dienstleistungen, Margen, Zielkunden und den Wettbewerb.
- Auswertung historischer Daten: Die Agentur zieht Leistungsdaten der letzten 6 bis 12 Monate, um Trends und Ausgangswerte zu verstehen.
- Tracking-Prüfung: Bestätigung, dass Conversions korrekt auslösen und richtig zugeordnet werden.
Woche 2 bis 3: Vollständiges Konto-Audit
Ein gründliches Audit deckt jede Dimension des Kontos ab. Die Agentur sollte bewerten:
| Audit-Bereich | Was geprüft wird |
|---|---|
| Kontostruktur | Kampagnenaufbau, Logik der Anzeigengruppen, Namenskonventionen |
| Keyword-Gesundheit | Match Types, Relevanz der Suchbegriffe, Abdeckung mit auszuschließenden Keywords |
| Anzeigenqualität | RSA-Setup, Vielfalt der Anzeigentitel, Anzeigenrelevanz zu den Keywords |
| Gebotsstrategie | Abstimmung zwischen Gebotsstrategie und Geschäftszielen |
| Conversion-Tracking | Genauigkeit, Deduplizierung, Attributionsmodell |
| Landingpages | Botschaftsabgleich, Ladezeit, Conversion-Rate |
| Wettbewerb | Auktionsdaten, Anteil möglicher Impressionen, Positionierung |
| Budgeteffizienz | Verteilung der Ausgaben, Identifikation von vergeudetem Budget |
Was ein ordentliches Audit abdeckt, zeigt dir unsere Google-Ads-Audit-Checkliste.
Woche 4: Strategie und Fahrplan
Auf Basis der Audit-Ergebnisse präsentiert die Agentur:
- Ist-Bewertung: wo das Konto steht, welche großen Probleme erkannt wurden.
- Priorisierter Maßnahmenplan: was zuerst behoben wird (meist Tracking und strukturelle Probleme).
- 90-Tage-Fahrplan: Monat-für-Monat-Ziele mit konkreten KPI-Vorgaben.
- Budgetempfehlungen: ob das aktuelle Budget zu den Zielen passt.
Das ist das wichtigste Lieferobjekt von Monat 1. Wenn die Agentur keine klare, datenbasierte Strategie formulieren kann, ist das ein Problem.
Phase 2: Tag 31 bis 60 – Umsetzung und schnelle Erfolge
Tracking-Korrekturen (falls nötig)
Wenn das Audit Tracking-Probleme aufdeckt, werden diese zuerst behoben. Alles andere hängt von genauen Daten ab. Typische Korrekturen:
- Enhanced Conversions implementieren
- Korrekte Conversion-Werte für Lead-Generierung einrichten
- Doppelte Conversion-Zählung beheben
- Consent Mode v2 für die DSGVO-Konformität im DACH-Raum einrichten
- Eine saubere Tracking-Infrastruktur aufbauen
Strukturelle Änderungen
Auf Basis der Audit-Ergebnisse strukturiert die Agentur das Konto um:
- Brand- und Non-Brand-Kampagnen trennen
- Anzeigengruppen rund um klare Themen neu ordnen
- Korrekte Listen mit auszuschließenden Keywords einrichten
- Kampagneneinstellungen anpassen (Standorte, Zeitpläne, Netzwerke)
Schnelle Optimierungen
Manche Verbesserungen zeigen schnell Wirkung:
- Keywords pausieren, die viel Budget verbrauchen, aber null Conversions bringen
- Offensichtliche auszuschließende Keywords aus dem Suchbegriffsbericht ergänzen
- Anzeigentexte korrigieren, die nicht zur Botschaft der Landingpage passen
- Gebote bei klar über- oder unterbepreisten Keywords anpassen
- Ungenutzte Anzeigenerweiterungen aktivieren
Welche Ergebnisse du in Monat 2 erwarten kannst
Bleib realistisch. Die Ergebnisse von Monat 2 drehen sich meist um Effizienzgewinne, nicht um dramatisches Wachstum:
- Weniger vergeudetes Budget (bessere Abdeckung mit auszuschließenden Keywords)
- Bessere Anzeigenrelevanz (höhere Quality Scores beginnen zu wirken)
- Sauberere Daten (genaues Tracking bedeutet bessere Entscheidungen)
- Moderate CPA-Verbesserung (5 bis 15 %, wenn es offensichtliche Verschwendung gab)
Phase 3: Tag 61 bis 90 – Optimierung und Skalierung
Fortgeschrittene Optimierung
Mit gelegtem Fundament beginnt in Monat 3 die strategische Optimierung:
- Gebotsstrategie testen: Wechsel zu automatisierten Gebotsstrategien, wo die Datenlage es trägt.
- Anzeigentexte testen: systematische RSA-Experimente mit kontrollierten Variablen.
- Zielgruppen schichten: Beobachtungszielgruppen ergänzen und Gebote nach Leistung anpassen.
- Landingpage-Empfehlungen: datenbasierte Vorschläge für Seitenverbesserungen.
Skalierungsentscheidungen
Wenn die ersten Ergebnisse positiv ausfallen, sollte die Agentur Skalierungsstrategien empfehlen:
- Budget bei leistungsstarken Kampagnen erhöhen
- Neue Kampagnentypen testen (Performance Max, YouTube, Display-Remarketing)
- Keyword-Abdeckung in bewährten Kategorien ausbauen
- Geografische Ausweitung, sofern sinnvoll
Performance-Reporting
Bis Monat 3 solltest du einen klaren Reporting-Rhythmus haben:
- Wöchentlich: Budgetverlauf, Schlüsselkennzahlen auf einen Blick, eventuelle Auffälligkeiten.
- Monatlich: vollständiger Leistungsrückblick gegen die KPIs, mit Kontext und nächsten Schritten.
- Quartalsweise: strategischer Rückblick mit Analyse der Geschäftswirkung.
Was gute Agenturen liefern und was schlechte tun
| Verhalten guter Agenturen | Warnzeichen |
|---|---|
| Gründliches Audit vor jeder Änderung | ”Optimiert” schon am ersten Tag |
| Setzt realistische Zeit-Erwartungen | Verspricht Ergebnisse in Woche eins |
| Erklärt Änderungen und Begründung | Macht Änderungen ohne Kommunikation |
| Fokussiert auf Geschäftsergebnisse (CPA, ROAS) | Berichtet über Eitelkeitskennzahlen (Impressionen, Klicks) |
| Gibt Zugriff auf alle Konten und Daten | Behält Konten im eigenen Besitz |
| Hinterfragt deine Annahmen, wenn Daten es belegen | Stimmt allem zu, was du sagst |
| Empfiehlt Budgetkürzungen, wenn angebracht | Schlägt immer höhere Ausgaben vor |
| Transparent darüber, was läuft und was nicht | Versteckt schwache Leistung hinter herausgepickten Kennzahlen |
Agenturkosten: Was üblich ist
Die Preise von Google-Ads-Agenturen variieren, aber das sind gängige Modelle im DACH-Markt:
Gängige Preismodelle
- Prozent vom Werbebudget: 10 bis 20 % des monatlichen Budgets (am häufigsten)
- Feste Monatspauschale: 1.000 € bis 5.000 € pro Monat, je nach Kontokomplexität
- Hybrid: Grundpauschale plus Erfolgsbonus für übertroffene Ziele
- Setup-Gebühr: einmalig 500 € bis 2.000 € für Onboarding und Audit
Was bei verschiedenen Budgethöhen angemessen ist
| Monatliches Werbebudget | Typisches Agenturhonorar | Was du dafür bekommen solltest |
|---|---|---|
| 2.000 € bis 5.000 € | 500 € bis 1.000 €/Monat | Basisbetreuung, monatliches Reporting |
| 5.000 € bis 15.000 € | 1.000 € bis 2.500 €/Monat | aktive Optimierung, Reporting alle zwei Wochen |
| 15.000 € bis 50.000 € | 2.500 € bis 5.000 €/Monat | strategische Betreuung, wöchentliches Reporting, A/B-Tests |
| 50.000 €+ | 5.000 €+/Monat oder % vom Budget | dediziertes Team, individuelles Reporting, Multi-Channel-Strategie |
Versteckte Kosten, auf die du achten solltest
- Tool-Gebühren, die an Kunden weitergegeben werden (sollten enthalten oder vorab offengelegt sein)
- Zusatzkosten für Landingpage-Arbeit
- Separate Rechnungen für Reporting oder Dashboard-Einrichtung
- Gebühren für die Umstrukturierung des Kontos (sollten Teil des Onboardings sein)
Fragen, die du in jeder Phase stellen solltest
Ende Monat 1
- Was hat das Audit als die drei größten Probleme aufgedeckt?
- Wie sieht der 90-Tage-Plan aus und wie messen wir den Fortschritt?
- Gibt es Tracking-Probleme, die vor der Optimierung behoben werden müssen?
Ende Monat 2
- Welche Änderungen wurden vorgenommen und welche Wirkung seht ihr?
- Wie viel vergeudetes Budget wurde identifiziert und beseitigt?
- Liegen wir im Plan des 90-Tage-Fahrplans?
Ende Monat 3
- Wie ist die Leistung im Vergleich zum Ausgangswert vor der Agentur?
- Welche Strategie empfehlt ihr für das nächste Quartal?
- Sind wir bereit zu skalieren oder müssen wir weiter optimieren?
Wann du einen Agenturwechsel erwägen solltest
Manche Situationen rechtfertigen einen Wechsel:
- Kein Audit, keine Strategie: Die Agentur ist ohne Verständnis des Kontos ins Optimieren gesprungen.
- Keine Kommunikation: Du hast seit Wochen nichts von ihnen gehört.
- Kontobesitz: Sie besitzen die Konten und du kommst nicht heran.
- Kein Fortschritt: Nach 90 Tagen gibt es keine messbare Verbesserung und keine klare Erklärung.
- Kennzahlen passen nicht: Sie berichten über Klicks und Impressionen, während dich CPA und Umsatz interessieren.
So machst du die Partnerschaft erfolgreich
Die Agenturen, die bei Google Ads die besten Ergebnisse liefern, haben Kunden, die aktive Partner sind, nicht passive Scheckhefthalter. Deine Rolle:
- Liefere Geschäftskontext: Teile Verkaufsdaten, Margeninformationen und strategische Prioritäten.
- Gib zeitnah Feedback: Prüfe und genehmige Änderungen zügig.
- Teile Daten zur Lead-Qualität: Sag der Agentur, welche Leads zu Kunden werden.
- Sei ehrlich über Ergebnisse: Wenn Conversions nicht zu Umsatz werden, sag es.
- Setze realistische Erwartungen: Gib dem 90-Tage-Plan Zeit zu wirken.
Für ein tieferes Verständnis darüber, was du im Google-Ads-Audit prüfen und überwachen solltest, lies unsere ausführliche Checkliste.
Du suchst eine Google-Ads-Agentur, die diesem strukturierten Ansatz folgt? Wir starten jede Zusammenarbeit mit einem gründlichen Audit und einem klaren 90-Tage-Plan. Nimm Kontakt auf, um über dein Konto zu sprechen.
Quellen
- Allgemeines Branchenwissen und direkte Plattformerfahrung
- Google Ads Hilfe – Best Practices für die Kontobetreuung