Wenn Sie als B2B-Unternehmen über LinkedIn Ads nachdenken, kommt früher oder später diese Frage: Bauen wir das selbst auf oder holen wir eine Agentur dazu? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, und manchmal ist Inhouse die richtige Wahl. Dieser Artikel hilft Ihnen, die Entscheidung anhand realer Zahlen zu treffen, nicht anhand von Versprechen.
Wir verkaufen Agenturleistungen, also könnten Sie erwarten, dass hier am Ende immer “nehmt eine Agentur” steht. Das tut es nicht. Wir zeigen Ihnen genauso klar, wann Sie das Budget für eine Agentur sparen sollten.
Key Takeaways
- Inhouse ist kein "kostenlos". Ein interner LinkedIn-Spezialist kostet inklusive Tools und Einarbeitung schnell mehr als ein Agentur-Retainer, vor allem im ersten Jahr.
- Die teuerste Position ist die Lernkurve. Wer LinkedIn Ads zum ersten Mal aufsetzt, verbrennt in den ersten Monaten Budget, bevor die Kampagnen sitzen.
- Inhouse lohnt sich bei genügend Volumen. Ab einem dauerhaft hohen Werbebudget und klarem, stabilem Zielkundenprofil rechnet sich eine Festanstellung.
- Eine Agentur lohnt sich bei wenig Volumen oder wenn es schnell gehen muss. Sie kaufen Senior-Erfahrung ohne Festanstellung und überspringen die teure Lernphase.
- Hybrid ist oft die beste Lösung: Strategie und Tracking extern, operatives Tagesgeschäft intern.
Die ehrliche Kostenrechnung
Die meisten Vergleiche scheitern an einem Denkfehler: Inhouse wird als günstig wahrgenommen, weil keine externe Rechnung kommt. Die Kosten sind aber trotzdem da, sie stehen nur in der Gehaltsabrechnung statt in der Agenturrechnung.
Rechnen wir es durch. Ein Performance-Marketing-Spezialist, der LinkedIn Ads wirklich beherrscht, kostet im DACH-Raum ein marktübliches Jahresgehalt im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich. Dazu kommen Arbeitgeberkosten (Sozialabgaben, Urlaub, Ausfallzeiten), die je nach Land grob mit 20 bis 30 Prozent auf das Bruttogehalt aufschlagen. Hinzu kommen Tools (LinkedIn Campaign Manager ist gratis, aber Reporting-, Tracking- und Creative-Tools nicht), Weiterbildung und die Zeit, die Führungskräfte in Steuerung und Onboarding stecken.
Eine Agentur arbeitet im DACH-Markt typischerweise mit Retainern in einer Größenordnung von etwa 2.000 bis 3.000 Euro pro Monat (marktüblicher Richtwert für laufende Betreuung, keine feste Preisangabe). Das ergibt rund 24.000 bis 36.000 Euro im Jahr für die Betreuung, plus Ihr eigentliches Mediabudget.
| Position | Inhouse (pro Jahr) | Agentur (pro Jahr) |
|---|---|---|
| Personal / Retainer | Gehalt eines Spezialisten plus 20-30% Nebenkosten | ca. 24.000-36.000 EUR Retainer |
| Tools (Tracking, Reporting, Creative) | Voll selbst zu tragen | meist im Retainer enthalten |
| Einarbeitung / Lernkurve | hoch im ersten Jahr (Budget-Verlust) | gering (Erfahrung vorhanden) |
| Skalierbarkeit | an eine Person gebunden | Team mit mehreren Spezialisten |
| Wissen bleibt im Haus | ja | nein (extern) |
Der entscheidende Punkt: Im reinen Personalkostenvergleich liegen beide Modelle oft näher beieinander, als viele erwarten. Eine Festanstellung ist selten günstiger als ein Retainer, sie bindet zusätzlich aber eine ganze Stelle.
Die versteckte Kostenfalle: die Lernkurve
Die größte verborgene Position taucht in keiner Tabelle auf: das Budget, das während der Einarbeitung verbrennt. LinkedIn Ads ist die teuerste der großen Werbeplattformen. Im DACH-B2B-Bereich liegen die Klickpreise (CPC) oft zwischen 2 und 10 Euro, die Kosten pro Lead (CPL) je nach Angebot grob zwischen 30 und 150 Euro (marktübliche Benchmarks, keine garantierten Werte).
Wer das zum ersten Mal aufsetzt, macht in den ersten Monaten die typischen Fehler: zu breites Targeting, schwaches Angebot, falsches Kampagnenziel, kein sauberes Conversion-Tracking. Jeder dieser Fehler kostet echtes Geld, weil das Mediabudget weiterläuft, während die Kampagne lernt.
Ein realistisches Szenario: Geben Sie in den ersten drei Monaten 3.000 Euro pro Monat Mediabudget aus und die Kampagnen laufen wegen Anfängerfehlern nur halb so effizient wie möglich, haben Sie über die Lernphase mehrere Tausend Euro verloren, ohne entsprechende Ergebnisse. Diese Summe steht in keiner Inhouse-Kalkulation, ist aber real.
Wann Inhouse wirklich Sinn ergibt
Inhouse ist keine Notlösung. Unter den richtigen Bedingungen ist es die bessere Wahl:
Sie haben genug Volumen für eine Vollzeitstelle. Wenn LinkedIn Ads dauerhaft ein zentraler Kanal mit einem hohen, kontinuierlichen Mediabudget ist, lastet das eine Person sinnvoll aus. Eine Festanstellung lohnt erst, wenn genug Arbeit da ist, um sie zu füllen, sonst zahlen Sie ein volles Gehalt für eine Teilzeitaufgabe.
Ihr Zielkundenprofil ist einfach und stabil. Verkaufen Sie an eine klar abgegrenzte Zielgruppe (zum Beispiel “Geschäftsführer von Maschinenbauunternehmen mit 50-200 Mitarbeitern”) und ändert sich das selten, ist das Targeting nach der Einarbeitung gut beherrschbar.
Sie haben bereits internes Marketing-Know-how. Gibt es im Haus jemanden, der Performance Marketing, Tracking und Datenanalyse versteht, ist die Lernkurve flacher und das Risiko geringer.
Sie wollen das Wissen dauerhaft im Unternehmen halten. Bei Inhouse bleibt die Kompetenz im Haus, auch wenn die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister endet. Das ist ein strategischer Wert, der über reine Kosten hinausgeht.
Wann sich eine Agentur auszahlt
Eine Agentur ist dann sinnvoll, wenn folgende Punkte zutreffen:
Sie brauchen Senior-Erfahrung sofort. Eine erfahrene Agentur hat dutzende B2B-Konten gesehen und kennt die Stolperfallen. Sie müssen diese Erfahrung nicht intern über Monate aufbauen und mit Budget bezahlen.
Ihr Volumen rechtfertigt keine volle Stelle. Wenn LinkedIn nur einer von mehreren Kanälen ist oder das Budget moderat bleibt, ist ein Retainer flexibler als eine Festanstellung. Sie bezahlen Betreuung, nicht eine ganze Person.
Sie wollen die teure Lernphase überspringen. Der wichtigste Punkt: Das Budget, das Sie bei Inhouse in der Einarbeitung verlieren, sparen Sie mit einer eingespielten Agentur weitgehend ein.
Sie brauchen Tiefe bei Tracking und DSGVO. Sauberes Conversion-Tracking über den gesamten Funnel und ein datenschutzkonformes Setup sind anspruchsvoll. Wer das schon oft gebaut hat, macht es schneller und richtiger. Mehr dazu in unserem Leitfaden zur Tracking- und Messstrategie.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Hohes, dauerhaftes Volumen + stabiler ICP + internes Know-how | Inhouse |
| Wenig Volumen oder LinkedIn ist nur ein Kanal von mehreren | Agentur |
| Schneller Start nötig, keine Zeit für Lernkurve | Agentur |
| Komplexes Tracking / DSGVO / Multi-Channel | Agentur oder Hybrid |
| Wissen soll dauerhaft im Haus bleiben | Inhouse oder Hybrid |
”Wir haben es selbst probiert und nur Budget verbrannt”
Diesen Satz hören wir oft, fast wörtlich. Ein Unternehmen startet LinkedIn Ads inhouse, gibt über mehrere Monate Geld aus, sieht kaum qualifizierte Leads und zieht den Schluss: “LinkedIn funktioniert für uns nicht.”
In den meisten Fällen ist das die falsche Diagnose. Nicht LinkedIn hat versagt, sondern das Setup. Typische Ursachen: zu breites Targeting, ein schwaches Angebot (“Kontaktieren Sie uns” statt eines konkreten Mehrwerts wie einem Leitfaden oder einer Analyse), das falsche Kampagnenziel oder fehlendes Conversion-Tracking, sodass niemand sieht, welche Anzeige tatsächlich Leads bringt.
Das ist genau die Lernkurve, über die wir oben gesprochen haben, nur unbemerkt bezahlt. Die gute Nachricht: Ein Konto, das “nur Budget verbrannt” hat, ist meist kein verlorener Fall, sondern eine reparierbare Struktur. Ein gezielter LinkedIn Ads Audit zeigt in der Regel schnell, an welchen Stellen das Geld versickert ist und was sich konkret ändern lässt.
Die Hybrid-Lösung
Für viele B2B-Unternehmen ist die beste Antwort weder reines Inhouse noch reine Agentur, sondern eine Kombination. Das Modell sieht in der Praxis oft so aus:
Extern: Strategie, Kampagnenstruktur, das saubere Aufsetzen von Tracking und Reporting sowie regelmäßige Optimierungs-Reviews. Hier zahlt sich Erfahrung am stärksten aus, und hier passieren die teuersten Fehler.
Intern: Das operative Tagesgeschäft, Content und Angebote, die Abstimmung mit dem Vertrieb und das Lead-Nurturing. Das kennt niemand besser als Ihr eigenes Team.
So bekommen Sie Senior-Know-how dort, wo es den größten Hebel hat, und bauen gleichzeitig internes Wissen auf. Häufig beginnt eine Zusammenarbeit so und wandert über die Zeit immer stärker nach innen, sobald das interne Team sicher ist. Das ist ein legitimer und oft sehr wirtschaftlicher Weg.
So treffen Sie die Entscheidung
Stellen Sie sich vor der Entscheidung drei nüchterne Fragen:
- Volumen: Ist das LinkedIn-Budget hoch und dauerhaft genug, um eine Vollzeitstelle sinnvoll auszulasten? Wenn nein, spricht das für eine Agentur oder Hybrid.
- Erfahrung: Haben wir intern jemanden, der Performance Marketing und Tracking wirklich beherrscht? Wenn nein, kostet die Lernkurve mehr, als sie auf den ersten Blick scheint.
- Zeit: Können wir uns drei bis sechs Monate Lernphase mit suboptimalen Ergebnissen leisten? Wenn nein, kaufen Sie die Erfahrung ein.
Wenn Sie LinkedIn ohnehin neben Google und Meta betreiben, lautet die eigentliche Frage selten nur “Agentur oder Inhouse”, sondern auch “wie sollte das Budget über die Kanäle verteilt werden”. Eine Grundlage dazu finden Sie in unserem Leitfaden zur LinkedIn Ads B2B-Leadgenerierung.
Fazit und nächster Schritt
Inhouse und Agentur sind keine Glaubensfrage, sondern eine Rechnung. Bei hohem, stabilem Volumen, einfachem Zielkundenprofil und vorhandenem internem Know-how kann Inhouse die wirtschaftlichere Wahl sein. Bei begrenztem Volumen, fehlender Erfahrung oder Zeitdruck zahlt sich eine Agentur aus, vor allem weil Sie die teure Lernphase überspringen. Und für viele liegt die Wahrheit dazwischen, in einem Hybrid-Modell.
Wenn Sie unsicher sind, in welche Kategorie Sie fallen, finden Sie es ohne Risiko heraus. In einem kostenlosen Audit sehen wir uns Ihre Situation an: Ihr Volumen, Ihre Zielgruppe, Ihr bisheriges Setup. Danach sagen wir Ihnen ehrlich, ob sich für Sie Inhouse, eine Agentur oder ein Hybrid-Modell mehr lohnt, auch wenn die ehrliche Antwort “macht es selbst” lautet.
Fordern Sie ein kostenloses Audit an, und wir helfen Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Sources
- LinkedIn Ads Kosten-Benchmarks (CPC, CPL) im DACH-B2B-Bereich, Branchenaggregate aus B2B-Werbeberichten
- Marktübliche Agentur-Retainer fuer laufende Paid-Social-Betreuung im DACH-Raum, Branchenrichtwerte
- Arbeitgeber-Nebenkosten (Sozialabgaben, Lohnnebenkosten) im DACH-Raum, allgemeine Marktkennzahlen
- LinkedIn Campaign Manager und Werbeformate, LinkedIn Marketing Solutions